Bruus Christensen zu „The Girl on the Train”

In „The Girl on the Train“ spielt Emily Blunt die nach dem Ende ihrer Ehe am Boden zerstörte Alkoholikerin Rachel Watson. Zwanghaft fährt sie jeden Tag mit dem Zug an ihrer alten Wohnung vorbei und beginnt, die zwei Häuser weiter wohnende Megan (Hayley Bennett) zu überwachen. Rachel träumt sich in den Alltag der hübschen Frau hinein, die scheinbar das perfekte Leben führt. Eines Tages sieht Rachel etwas, das sie nicht hätte sehen sollen und beginnt erneut mit dem Trinken. Nach einem Blackout kommt sie wieder zu sich. Aber Megan ist verschwunden.

THE GIRL ON THE TRAIN

Trailer for THE GIRL ON THE TRAIN, directed by Tate Taylor and shot by Charlotte Bruus Christensen on ARRICAM with Master Primes.  

Tate Taylor („Get on Up“, „The Help“) führte Regie bei diesem Psychothriller, Charlotte Bruus Christensen („The Hunt“, „Far from the Madding Crowd“) war als Director of Photography (DP) für die Kamera verantwortlich. Als beide zum ersten Mal über den Look von „The Girl on the Train“ sprachen, waren sie sich darüber einig, dass der Film „sehr authentisch“ und „realistisch“ wirken soll. „Rachels Welt ist nicht sehr schön. Also durfte es nicht zu sehr nach Hochglanz aussehen“, erklärt Christensen. „Aber es handelte sich um einen Kinofilm. Deshalb mussten wir die richtige Balance aus cineastischem Look einerseits und realer, rauer Stimmung anderseits finden.“ Die Produzenten verwiesen auf alte Hitchcock-Thriller. „`Rosemary´s Baby` war einer dieser Filme, über die wir in diesem Zusammenhang sprachen“, erinnert sich Christensen.

Das nächste Ziel war die Auswahl der Kamera. „Es wurde darüber diskutiert, ob auf Film oder digital gedreht werden sollte“, erklärt Christensen. „Ich habe für Film gekämpft, weil dadurch ein unbearbeiteter, cineastischer Look entsteht.“ Schließlich wurde die Produktion mit ARRICAMs auf 35 mm und mit Kodak-Filmmaterial gedreht. Die komplette Kamera- und Lichtausrüstung stellte ARRI Rental New York bereit. „Wir waren sehr froh darüber, damit auch ein gutes, mit dieser Technik vertrautes Team gefunden zu haben“, betont Christensen. „Heutzutage ist es nicht einfach, Materialassistenten zu finden.“

Dann ging es um die Objektive. „Wir testeten viele verschiedene“, so die Kamerafrau. „Aber die Kombination von ARRIs Master Primes und Film führte zu dem Look, den wir wollten. Einerseits sollte das Bild so weich wie möglich erscheinen, andererseits war eine gewisse Schärfe nötig.“ 

„Die Master Primes sind sehr zuverlässig und decken eine fantastische Bandbreite ab“, ergänzt Christensen. „Wir wollten speziell mit der 27-mm-Optik arbeiten. Das ermöglichte uns, sehr nah an Rachel heranzugehen und trotzdem ein gutes Blickfeld zu haben. Die Objektive waren eine gute Wahl, um die einzelnen Elemente der Geschichte zu zeigen.“

Als schwierigsten Drehort nennt Christensen den Tunnel, an dem die Schlüsselszene von „The Girl on the Train“ spielt: „Wir mussten viel Material drehen, wie Rachel sich zu erinnern versucht. Wir waren mehrere Tage dort und arbeiteten in der Abenddämmerung. Es war sehr kalt.“

Ein anderes schwieriges Set-up betraf zwei Gebäude: das Haus, in dem Rachels Ex-Mann lebt, und das zwei Türen weiter, in dem Megan mit ihrem Mann wohnt. „Diese Häuser standen in White Plains (New York). Aber der Zug und die Gleise befanden sich beim Hudson River“, erklärt sie. „Wir bauten außerdem einen Eisenbahnwagen auf einer Bühne. So hatten wir drei Blickwinkel: von West, von Ost und die Innenansicht des Zuges. All das miteinander zu verbinden, war wirklich kompliziert. Die Außenaufnahmen der Häuser waren besonders wichtig, und wir drehten sie zuerst. Wir hatten ein zweites Team, das die Rückseite mit denselben Lichtstimmungen filmte. Diese Takes bildeten die Basis für die Aufnahmen des Zuges.”

Christensen lobt ihren „fantastischen Oberbeleuchter“ Bill O´Leary, der ihr beim Erreichen des angestrebten Looks half. „Wir sprachen über die verschiedenen Situationen: über Licht, das durch Fenster scheint, über Gegenlicht. Am Ende lief es immer darauf hinaus, so einfach wie möglich zu arbeiten. Meistens hatte wir nur eine Hauptlichtquelle und nicht viel mehr dazu.“

Als alles abgedeht war, begab sich Christensen für die Postproduktion zu Technicolor nach New York. „Supervising Digital Colorist Michael Hatzer leistete großartige Arbeit“, findet sie und erklärt, was bei der Postproduktion passierte: „Das ist ein subtiler Prozess. Aber dadurch konnten wir unsere Ideen noch besser herausstellen. Angesichts dieser Fülle an Details ist das eine sehr schwierige Arbeit.“

Nun wünscht sich Christensen, dass das Publikum „in Rachels Kopf blicken“ kann: „Hoffentlich ist es uns gelungen, ihre Dynamik und ihren Kampf zu verstehen und Empathie zu schaffen. Und natürlich hoffe ich, dass wir für etwas Nervenkitzel bei den Zuschauern sorgen.“

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