„Wildling”-Regisseur Fritz Böhm über ARRI

Mit dem Fantasy-/Horrorthriller „Wildling“ erscheint nun die erste Produktion, die mit Unterstützung von ARRIs International Support Program entstand. Im Interview spricht Regisseur Fritz Böhm über sein Spielfilmdebüt, die Formate Dolby Vision und Dolby Atmos sowie über die Zusammenarbeit mit ARRI.

WILDLING Official Trailer (2018)

WILDLING Official Trailer (2018) Liv Tyler Thriller Movie HD

Vor zwei Jahren startete ARRI ein neues Förderprogramm für aufstrebende Filmemacher aus aller Welt: das International Support Program (ISP). „Wildling“ ist das erste Projekt, das davon mit einem Paket aus Postproduktionsdienstleistungen und Koproduktion profitiert. Fritz Böhms Spielfilmdebüt wurde von Director of Photography Toby Oliver ACS („Get Out“, „Happy Death Day“) in New York mit den ARRI Kameras ALEXA Mini und AMIRA gedreht und bei ARRI Media unter anderem in Dolby Vision und Dolby Atmos bearbeitet. Produziert wurde „Wildling“ von Maven Pictures, Celine Rattray, Trudie Styler und Charlotte Ubben. In den Hauptrollen sind Bel Powley, Brad Dourif und Liv Tyler zu sehen. Der Film handelt von einer jungen Frau, die während ihrer gesamten Kindheit auf einem Dachboden eingesperrt war. Nach ihrer Befreiung stellt sie fest, dass sie möglicherweise die letzte Überlebende einer mysteriösen, gefährlichen Spezies ist: ein Wildling. Seine Welturaufführung erfuhr der Thriller auf dem diesjährigen South By Southwest Film Festival in Austin, Texas.

„Wildling" ist Ihr erster Spielfilm als Regisseur. Wie kamen Sie zum Film, und wie entstand der Wunsch, in dieser Funktion tätig werden zu wollen?

Ich habe mich schon immer als Filmemacher verstanden. Anfangs drehte ich auf Super 8 und einer geliehenen Video-8-Kamera. 2001 nach meinem ersten Kurzfilm „Ein Brudermord“ – den ich damals übrigens bei ARRI schneiden durfte – studierte ich Produktion an der Filmhochschule München. Es folgten weitere Kurzfilme und die Gründung der Firma Toccata Film, bei der Sven Nuri und ich unter anderem Postproduktionsdienstleistungen offerierten. Regisseure, Produzenten, Cutter, Sounddesigner, etc. – Wir hatten mit vielen unterschiedlichen Kreativen zu tun. So ging ich durch diverse Schulen, bis ich das Gefühl hatte, das Gelernte bei einem Spielfilm als Regisseur in die Praxis umsetzen zu können.

Fritz Böhm: „Ich habe mich schon immer als Filmemacher verstanden"

Welche speziellen Herausforderungen hatten Sie mit Ihrem ersten Spielfilm zu meistern?

Da ich vorher schon bei Kurzfilmen Regie führte, war die Arbeit an einem Spielfilm kein allzu großer Unterschied. Aber wir hatten für „Wildling“ nur 23 Drehtage zur Verfügung – nicht viel Zeit, zumal es Szenen etwa mit Kinderdarstellern, mit Tieren und auf dem Wasser gab. Außerdem war intensives Prosthetic-Makeup nötig. Denn es handelt es sich um ein sogenanntes „Creature Feature“. Diese Arbeit unter Zeitdruck war eine abenteuerliche Erfahrung. Eine andere Herausforderung: „Wildling“ spielt in einer Waldgegend mit vielen Naturszenen, wurde aus Finanzierungsgründen aber in New York gedreht. Wir hatten einen Radius von 23 Meilen um Columbus Circle, Manhattan, zur Verfügung. Davon ist ein großer Teil Wasser, ein anderer gehört zu New Jersey. Und bei den wenigen Naturgebieten waren im Hintergrund häufig Hochhäuser und Stromleitungen zu sehen, die wir aus vielen Szenen herausretuschierten.

„Wildling" spielt in einer Waldgegend mit vielen Naturszenen – wurde aber in New York gedreht

„Wildling“ wurde mit ARRI ALEXA Mini und ARRI AMIRA gedreht. Warum diese Kamerasysteme bzw. -kombination?

Toby Oliver sammelte bereits sehr gute Erfahrungen mit der ALEXA. Deshalb sprach er sich – als es um die Wahl des Kamerasystems für „Wildling“ ging – ganz klar für ALEXA aus. Durch unseren knappen Zeitplan wollten wir unbedingt mit einem sehr wendigen, möglichst kleinen System arbeiten. Die ALEXA Mini war zu diesem Zeitpunkt relativ neu. Wir arbeiteten weitestgehend mit einem Satz Super-Baltars-Vintage-Objektiven von Bausch & Lomb, die sehr klein und leicht sind. Die ALEXA Mini war unsere A-Kamera, für die Toby selbst als Operator fungierte und mit der er einen Großteil des Films aus der Hand drehte. Als B-Kamera bot sich die AMIRA an, weil sie den gleichen Bildsensor verwendet und es ein günstiges Paket war. Während das A-Team mit der ALEXA Mini eine Szene drehte, bereitete das B-Team mit der AMIRA das nächste Setup vor. So konnten wir ohne lange Umbauzeiten schnell von einem Setup zum nächsten wechseln. In ausgewählten Szenen drehten wir mit der AMIRA zeitgleich mit.

Regisseur Fritz Böhm (l.) und DP Toby Oliver drehten mit ARRI ALEXA Mini und ARRI AMIRA

Wie half Ihnen das ISP von ARRI bei der Umsetzung dieses Projektes?

Durch die Unterstützung des ISPs konnten wir eine Postproduktion auf technisch höchstem Niveau durchführen – mit Dolby Atmos und Dolby Vision. Und wir konnten mit den sehr talentierten Kreativen im Hause ARRI zusammenarbeiten. Zum Beispiel mit Christof Ebhardt beim Sounddesign, Christian Bischoff als Mischtonmister und Florian Martin als Colorist. Auch Sepp Reidinger, Angela Reedwisch, Mandy Rahn und Kiri Trier unterstützten das Projekt sehr stark. Dafür bin ich ARRI extrem dankbar. Es war eine tolle Erfahrung.

Durch Unterstützung des ISPs fand eine Postproduktion auf technisch höchstem Niveau statt. Dieses Bild zeigt ARRI Medias Sounddesigner Christof Ebhardt

Welche Erfahrungen sammelten Sie mit Dolby Vision?

Das Format ist wie ein Zuckerguss auf dem ganzen Projekt. Gerade bei einem Film wie „Wildling“ – mit viel Dunkelheit, Schatten, tiefen Schwärzen und hohen Kontrasten – ist man mit Dolby Vision ganz nah dran an einer traumartigen Kinoerfahrung. Wenn die Lichter im Saal ausgehen, ist es zu 100 Prozent schwarz. Es gibt nichts, was einen vom Filmerlebnis ablenkt. Dolby Vision ist wirklich bombastisch und ein unglaublicher Mehrwert. Leider gibt es bislang zu wenige Kinos, die damit ausgerüstet sind. Ich hoffe, das ändert sich bald.

Gerade bei einem Film wie „Wildling“ – mit viel Dunkelheit, Schatten, tiefen Schwärzen und hohen Kontrasten – kommt Dolby Vision gut zur Geltung

Und wie schätzen Sie Dolby Atmos auf der Tonseite ein?

Dolby Atmos erzeugt eine wahnsinnig reale und immersive Tonumgebung. In der ersten Szene zum Beispiel, bei der wir auf einem Dachboden sind und Brad Dourifs Figur eine Geschichte erzählt, bahnt sich draußen ein Gewitter an. Dafür verarbeiteten wir an die 100 individuelle Regen- und Tropfgeräusche, die nur in Dolby Atmos voll zur Geltung kommen. Überall klingt der Regen etwas anders. Es fühlt sich dreidimensional an, als wäre man unmittelbar vor Ort. Sehr beeindruckend! Bei der Tonbearbeitung machten wir die Erfahrung, dass es sich bei allen Kinoauswertungen in jedem Fall lohnt, in Dolby Atmos zu mischen. Denn selbst die automatisch generierten Derivate, etwa 7.1 oder 5.1, klingen deutlich besser als ein nativer Mix in diesen Formaten. Wir waren wirklich fassungslos, wie sich die Räumlichkeit von Dolby Atmos auf die derivaten Fassungen überträgt.

Am 13. April startete „Wildling“ in den New York und Los Angeles in den Kinos und ist seitdem auf Apples iTunes, Amazon und anderen Video-on-Demand-Plattformen verfügbar. Wo ist der Film noch zusehen?

Unser US-Vertrieb IFC Films startete „Wildling“ inzwischen in weiteren amerikanischen Städten im Kino. Seit dem 20. April zeigt Warner Bros. den Film in Großbritannien auf mehr als 100 Leinwänden. Unser Weltvertrieb IM Global verkaufte „Wildling“ in zahlreiche andere Territorien, wo er ebenfalls ausgewertet wird. Der deutsche Starttermin wird in Kürze bekannt gegeben.

„Wildling“ wurde in zahlreiche Territorien verkauft

Fotos: © 2018 Wildling Film LLC