Vierfacher Oscar-Gewinner "Shape of Water"

"Shape of Water - Das Flüstern des Wassers" wurde mit ARRI ALEXA und Master-Prime-Objektiven gedreht und mit SkyPanels beleuchtet. Regisseur Guillermo del Toro und Kameramann Dan Laustsen (ASC, DFF) über die Entstehung des vierfach Oscar-gekrönten Fantasymärchens.

"Shape of Water - Das Flüstern des Wassers" war der große Gewinner der diesjährigen Oscar-Verleihung. Gleich vier Mal - "Bester Film", "Beste Regie", "Beste Filmmusik" und "Bestes Szenenbild" - wurde das Fantasymärchen mit dem wichtigsten Filmpreis der Welt ausgezeichnet. Mit "Shape of Water" schuf Regisseur Guillermo del Toro ein weiteres Mal eine magische Mischung aus Märchen und emotionalem Drama - und die Kameraarbeit trug entscheidend dazu bei, die entsprechende Atmosphäre und Stimmung zu erzeugen. Del Toro setzte auf Kameramann Dan Laustsen (ASC, DFF), mit dem er bereits bei "Mimic - Angriff der Killerinsekten" und "Crimson Peak" gearbeitet hatte. "Das letzte Element beim Design dieses Wesens war die Beleuchtung", sagt Del Toro. "Hätte ich einen Kameramann gehabt, der das nicht begreift, hätte alles nicht funktioniert. Dan weiß außerdem, dass es um Emotionen geht, nicht nur um Hauptlicht, Cross Light, Rim Light und so weiter." Laustsen erinnert sich an seine ersten Gespräche mit Del Toro, bei denen sie diskutierten, wie sie die extreme Herausforderung meistern könnten, vor die das Drehbuch sie stellte. "Seine Vision war so stark, dass ich allmählich glaubte, dass es zu schaffen sei", sagt er.

Del Toro (l.) und Laustsen am Set von von „Shape of Water“
Foto: Fox Searchlight

Zwei Aspekte von "Shape of Water" begeisterten Laustsen sofort: Zum einen sprechen die beiden Hauptfiguren des Films - Elisa (gespielt von Sally Hawkins) und das amphibische Wesen (gespielt von Doug Jones) - kein einziges Wort. "Diese Idee, dass zwei stumme Figuren eine Verbindung aufbauen, ist sehr filmisch", sagt er. Zum anderen fand er die Tatsache interessant, dass große Teile des Films im oder unter Wasser spielen. "Bei dem Film ist alles in Bewegung", sagt er. Laustsen setzte bei "Shape of Water" auf die ARRI ALEXA mit Master-Prime-Objektiven von ARRI/Zeiss. "Man kann bei dieser Kombination wirklich die Details sehen", erklärt er. 

Laustsen und del Toro haben sehr präzise Kamerabewegungen aufgezeichnet. "Die Kamera ist die ganze Zeit in Bewegung", sagt Laustsen. Er benutzte Steadicam, Dollys, Jib Arms, Hot Heads und einen Technocrane. Diesen konnte er aber nicht ständig verwenden, so Laustsen, weil das Budget des Films dafür nicht ausreichte. Also sei sorgfältige Planung nötig gewesen. "Wir hatten ein paar fantastische Dolly Grips", sagt er. "Guillermo sprach mit ihnen über Headsets. Er wusste genau, wo die Kamera sein sollte, denn er wusste, wie er alles schneiden würde. Alles fließt nur deswegen, weil er von einer Kamerabewegung zur nächsten Kamerabewegung geschnitten hat."

THE SHAPE OF WATER | Shape, Form and Light | FOX Searchlight

Erhalten Sie einen Einblick in die Kameraarbeit und das Szenenbild von „Shape of Water“.

Die Beleuchtung war wegen der ständigen Kamerabewegung herausfordernd - und gleichzeitig entscheidend für den Look des Films. "Es war gut organisiert und alle hatten ein sehr enges Verhältnis: ich, der Production Designer, die Leute von der Hair & Makeup-Abteilung, vom Kostüm und natürlich Guillermo", sagt Laustsen. "Alle Farben waren wichtig, aber insbesondere die Farben der Wände, die in einem Stahlblau-Ton bemalt waren. Die Eröffnungsszene und die Schlussszene spielen im Wasser, wurden aber im Trockenen gedreht, so dass die Schauspieler mit offenen Augen spielen konnten. "All das haben wir in-camera gedreht, mit einer Steadicam und einer unfassbaren Menge von Rauch im Studio", sagt er. Windmaschinen setzten die Kleidung von Elisa in Bewegung, und ein paar Rückprojektoren wurden als Hauptlichtquelle verwendet, die sich ebenfalls bewegt. Die Sequenz wurde mit 48 fps gedreht, und die Visual Effects-Firma Mr. X aus Toronto fügte Fische und schwimmende Elemente hinzu. "Es gibt einem das Gefühl, unter Wasser zu sein, aber nicht auf realistische Weise, und das ist ein guter Grundton für den Film", sagt er.

Bei der Produktion kamen außerdem ARRI SkyPanels zum Einsatz. Sie wurden mit einem Lichtboard gesteuert und leuchteten Elisas Appartment aus, das über einem neonbeleuchteten Kino liegt. "Wir haben uns einen Spaß daraus gemacht, dass das Licht durch den Fußboden scheint, und das haben wir komplett mit SkyPanels realisiert", sagt Laustsen. "Wir haben sie so viel wie möglich eingesetzt. Mit LED Leuchten kann man alle Farben erzeugen und alle Änderungen umsetzen, die man sich nur denken kann, aber man kann auch leicht Fehler machen, also musste ich sehr sorgfältig vorgehen." Del Toro war vom Ergebnis begeistert. "Dan ist ein Genie, wenn es um Licht geht", sagt er enthusiastisch. "Er war in der Lage, den Film auszuleuchten, als ob er in den 1950ern in Schwarz-Weiß gedreht würde, obwohl wir in Farbe drehten. Das Licht ist sehr expressionistisch und voller Schatten, und ich denke, dass es sehr klassisch wirkt."

Fotos: Fox Searchlight

Ein großer Kameramann ist wie ein Dirigent - nur vermittelt er Emotionen nicht mit Noten, sondern mit Licht.

Eine der Szenen, auf die Laustsen am meisten stolz ist, spielt im Badezimmer, wo dem Wesen, das in der Badewanne liegt, und Elisa klar wird, dass sie sich ineinander verlieben. "Wir haben das Licht von Stahlblau-Grün in ein eher goldenes, romantisches Licht verändert", sagt er. "Es war Guillermo und mir so wichtig, dass Sally wie eine Prinzessin aussieht, und beide Figuren sehen fantastisch aus. Wir haben mit Dolly und Jib Arm gedreht, und wir haben beim Licht die ganze Zeit geschummelt", sagt er. "Wer ganz genau hinsieht, wird festellen, dass wir das Hauptlicht von einer Seite zur anderen verschoben haben. Aber wir wollten keine realistische Geschichte erzählen. Wir wollten ein Märchen erzählen, und ich denke, dass uns das wirklich gut gelungen ist."

"Shape of Water" ist Laustsens dritte Zusammenarbeit mit Del Toro, nach "Mimic - Angriff der Killerinsekten" und "Crimson Peak"
Foto: Fox Searchlight

Del Toro ist der gleichen Meinung. "Ich denke, alle großen Kameraleute sind emotionale Menschen", sagt er. "Ein großer Kameramann ist wie ein Dirigent - nur vermittelt er Emotionen nicht mit Noten, sondern mit Licht."