Morrison über „Black Panther” und „Mudbound”

Die Oscar nominierte Kamerafrau Rachel Morrison spricht über ihre Arbeit an „Black Panther“ und „Mudbound“. Beide Filme wurden mit Equipment von ARRI gedreht.

Rachel Morrison (ASC) blickt auf ein tolles Jahr zurück: Sie wurde für ihre Arbeit an der Netflix-Produktion "Mudbound" als erste Kamerafrau überhaupt für den Oscar nominiert. Außerdem drehte sie den mit Spannung erwarteten Marvel-Film "Black Panther". "Da liegen Welten zwischen", sagt Rachel Morrison über die beiden Projekte. "Black Panther" habe sie sehr angesprochen, weil sie bei der Arbeit an dem Independent-Film "Nächster Halt: Fruitvale Station" eine enge Verbindung zu Ryan Coogler aufgebaut habe. "Ich wusste, dass Ryan in irgendeiner Weise etwas ganz Besonderes daraus macht und dass es nicht einfach nur eine Comic-Verfilmung werden würde", erklärt sie. "Außerdem hat mich begeistert, was für eine Herausforderung der Film sein würde. Er war das Gegenteil von allem, was ich jemals gemacht habe."

Rachel Morrison (ASC) bei Handkamera-Aufnahmen am Set von "Black Panther"
Foto: Matt Kennedy/Marvel Studios 2018

The Filmmaker's View: Rachel Morrison - DP is the best job on set, we all know that

Rachel Morrison über „Nächster Halt: Fruitvale Station“, ihre erste Kollaboration mit Regisseur Ryan Coogler. Bei „Black Panther“ haben sie wieder zusammen gedreht.

"Black Panther" erzählt die Geschichte von T'Challa, der zu seiner kleinen afrikanischen Nation heimkehrt. Diese verfügt über futuristische Technologien. Nach dem Tod seines Vaters, des Königs, beansprucht T'Challa den Thron. "Mudbound" hingegen ist ein eher typisches Projekt für Morrison. Der Film von Dee Rees erzählt von zwei Familien in einer ländlichen US-Südstaaten-Gegend kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs - die eine Familie ist schwarz, die andere weiß. Bei beiden Produktionen setzte Morrison in vielfältiger Weise auf Technologie von ARRI.

Obwohl "Black Panther" eine große Marvel-Produktion war, so Morrison, habe sich der Film "mit Blick auf die Kamera gar nicht so sehr von einigen der kleinen Filme unterschieden, die ich gemacht habe. Das entspricht viel eher der Art, wie Ryan arbeitet, als übliche Marvel-Filme. Wir haben grundsätzlich mit zwei Kameras gedreht, mit C- und D-Kameras und gelegentlich noch mit weiteren." Die Produktionsfirma verwendete ARRI ALEXA Kameras von Panavision, um den Actionfilm zu drehen.

Die größte Herausforderung bei "Black Panther" war das Licht, und Morrison setzte hier sehr stark auf ARRI SkyPanels. "Die Größenordnung der Beleuchtung überstieg alles, womit ich bisher zu tun hatte", bestätigt sie. "Wir haben komplette Sets mit SkyPanels umstellt. Wir haben auf einer Bühne einen kompletten Dschungel gebaut!" Morrison erinnert sich an den ersten Tag, als sie eine Rückblenden-Szene drehte, bei der im Hintergrund ein Wohnhaus zu sehen war. "Wir haben SkyPanels in jede einzelne Wohneinheit gestellt, und mein Oberbeleuchter hatte ein Lichtpult", sagt sie. "Wir haben beschlossen, die Leute fernsehen zu lassen, und das entsprechend programmiert. Wir konnten die Beleuchtung in jedem einzelnen Stockwerk anpassen - so etwas hätte ich mir vorher niemals vorstellen können."

Am Set von "Black Panther": Kameras filmen den Schauspieler Chadwick Boseman, der die Rolle des T'Challa spielt
Foto: Matt Kennedy/Marvel Studios 2018

"Das SkyPanel ist ein wirklich unglaubliches Gerät", sagt sie. "Ich denke, das ist etwas, was ich bei `Black Panther` herausgefunden habe, als ich entdeckt habe, wie man die Farben anpassen kann, wie man kabellos dimmen und Farben wechseln kann. Es ist wirklich erstaunlich, wie man von einem iPad aus ein Blau in ein Lila verwandeln oder die Lichtintensität verändern kann." Und all das habe sie während Stellproben machen können, bemerkt Rachel Morrison. "Man muss nur einen Button berühren - und nicht die Schauspieler bitten, das Set zu verlassen, während man eine zwölfstufige Leiter reinträgt und Scrims an einen Scheinwerfer schraubt", erklärt sie. "Wenn man den Look einer Blauen Stunde will, aber nicht weiß, ob es eine warme und sonnige oder eine kühl-dämmrige Blaue Stunde sein soll, kann man beide Looks programmieren und den Regisseur fragen: Magst Du Variante A oder B? Das ist ein unglaublich vielseitiges Tool."

"Black Panther" entstand mit Visual Effects einer Größenordnung, die für Morrison neu war. "Visual Effects Supervisor Geoff Bauman war jemand, der zusammenarbeiten und andere inspirieren wollte", erinnert sie sich. "Ich hatte unglaubliches Glück. Bei einem Film mit vielen visuellen Effekten ist etwas weniger Spontanität möglich, weil man die komplette Vision im Blick haben muss. Aber gleichzeitig muss man die gleiche instinktive menschliche Qualität einbringen." Eine Reihe von Szenen umfasste auch aufwendige Stunts. "Man muss einen Teil der Kontrolle abgeben", sagt sie. "Die Zusammenarbeit wird noch umfassender, weil man mit dem Stunt Coordinator, den Stuntleuten und dem VFX Supervisor gemeinsam Pläne entwerfen muss. Es geht darum, gemeinsam Filme zu machen, sich über die Vision im Klaren zu sein und sicherzustellen, dass alle das Gleiche wollen. Das ist bei einem kleinen Film genauso wie bei einem sehr großen Film."

SkyPanels im Einsatz bei "Black Panther"
Foto: Matt Kennedy/Marvel Studios 2018

Das SkyPanel ist ein wirklich unglaubliches Gerät. Ein unglaublich vielseitiges Tool.

"Mudbound" ist eine komplexe Geschichte über Rassismus und Gewalt in den US-Südstaaten und über posttraumatische Belastungsstörungen, die Soldaten des Zweiten Weltkriegs erlitten haben. Jason Mitchell spielt Ronsell, einen schwarzen Soldaten, der nach Mississippi zurückkehrt. Während des Kriegs in Europa wurde er mit Respekt behandelt, zuhause ist er dann wieder ein Bürger zweiter Klasse. "`Mudbound` hat mich wirklich sehr interessiert, denn das ist die Art von Fotografie, die mich ursprünglich inspirierte", sagt Morrison und verweist auf die Fotografen, die in der Zeit der Großen Depression für die Farm Security Administration gearbeitet haben: Gordon Parks, Dorothea Lange, Walker Evans, Ben Shan und Arthur Rothstein. "`Mudbound` war eine Gelegenheit, ihnen die Ehre zu erweisen", sagt sie. "In visueller Hinsicht ist der Film wirklich der Traum aller Kameraleute - und es war natürlich mein Traum. Zugleich ist er einer der ersten Historienfilme, die ich gedreht habe."

Außerdem inspirierten sie Dokumentarfilme von Les Blank und dessen "Palette von schönen, gedeckten Farben", wie sie bestätigt. "Es fühlt sich fast so an, als ob man die Kamera niederlegt und das Leben sich einfach entfaltet. Das war auch eine Inspiration für mich." Morrison hebt die Arbeit von Production Designer David Bomba hervor, der die bewegende Welt des Films geschaffen habe. Gedreht hat das Team an authentischen Orten der Ära, in der die Geschichte spielt. Morrison trug auch mit der Beleuchtung zur Erzählung bei, da arme Menschen keinen elektrischen Strom hatten und Kerzen und Laternen verwendeten.

Sie drehte "Mudbound" mit ALEXA Minis von ARRI, obwohl sie ursprünglich erwogen hatte, auf 35mm-Film zu drehen. "Der Unterschied war nicht groß genug, um die höheren Kosten zu rechtfertigen", sagt Morrison. Sie stellte fest, dass die Mini sehr praktisch sei bei Dreharbeiten in "winzigen Häusern auf Plantagen, in denen jeder Zentimeter zählte". Als sie mitten in der Vorproduktion war, kam die ALEXA Mini heraus mit einem 4:3-Sensor De-Squeeze-Modus für anamorphotische Aufnahmen und Bildraten von 0.75-200 fps sowie einem Open Gate-Upgrade. "Wir haben größtenteils mit anamorphotischen Objektiven gedreht und ein klein wenig mit sphärischen Objektiven, und [dank des Upgrades] war die Mini das perfekte Gerät."

Rachel Morrison (ASC) dreht mit ALEXA Mini eine Szene von "Mudbound".
Foto: Steve Dietl / Netflix

Morrison hat eine interessante Perspektive auf die Frage, was gute Regisseure ausmacht, denn sie hat selbst als Regisseurin gearbeitet. "Sie haben eine sehr klare Vorstellung von der Geschichte, die sie erzählen wollen, aber haben zugleich ein Interesse an Zusammenarbeit und wollen die Menschen um sich herum inspirieren", meint Morrison. "Sie liefern den Mitarbeitern Anregungen und lassen sich zugleich von ihnen inspirieren, sind offen für neue Ideen, am Set aufnahmebereit und flexibel, haben aber zugleich eine klare Vorstellung davon, was ihre Geschichte vorantreibt."

Freundlich und großzügig zu sein, hält sie für zusätzliche Qualitäten. "Wir gehen eine solche Zusammenarbeit an, als ob wir zusammen in einen Krieg ziehen. Man muss bereit sein, für die anderen Opfer zu bringen", sagt sie. "Und man will auch danach noch befreundet sein. Das ist nicht das Wichtigste, was ich von Regisseuren erwarte, aber es spielt auch eine Rolle."

Operator P. Scott Sakamoto (l.), Regisseur Ryan Coogler und Kamerafrau Rachel Morrison (ASC) besprechen eine Szene
Foto: Matt Kennedy ©Marvel Studios 2018

Sie hat auch einen Rat für junge Filmemacher, die gerade in der Branche anfangen. "Seid neugierig", so Morrison. "Man wird nichts lernen, wenn man keine Fragen stellt. Man ist bei zehn, fünfzehn Dreharbeiten anderer Kameraleute dabei, bevor man erstmals selbst DoP ist. Man muss Geduld haben. Das ist keine Branche, in der man über Nacht Erfolg hat. Man muss sich Schritt für Schritt hocharbeiten, hartnäckig dranbleiben und wissen, dass alles etwas dauern wird. Es gibt in der Branche nicht gerade einen Mangel an großartigen, talentierten Leuten. Ich denke, letztlich wird man nicht wegen der Arbeit engagiert, die man leistet. Man wird dafür engagiert, wer man ist, und das ist etwas Besonderes an dieser Branche."

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