James Laxton drehte „Moonlight" mit ALEXA

„Moonlight“ von Regisseur Barry Jenkins wurde mit einem Oscar als „Bester Film“ ausgezeichnet. Director of Photography James Laxton über die Dreharbeiten mit der ARRI ALEXA Plus.

„Moonlight“ war einer der großen Favoriten der diesjährigen Oscar-Verleihung. Der „Beste Film“ wurde zudem für das „Beste adaptierte Drehbuch“ und für den „Besten Nebendarsteller“ (Mahershala Ali) ausgezeichnet. Außerdem war „Moonlight“ in weiteren Kategorien für einen Oscar nominiert, unter anderem für die „Beste Kamera“. A. O. Scott, Filmkritiker der „New York Times“, bezeichnete „Moonlight“ als „unerträglich persönlichen Film und wichtiges soziales Dokument“, als „ein Gedicht, geschrieben mit Licht, Musik und lebhaften Gesichtern“. Der Film basiert auf einem Theaterstück von Tarell Alvin McCraney. Barry Jenkins inszenierte ihn fürs Kino. James Laxton, der auch schon Kameramann und Director of Photography (DoP) bei Jenkins’ erstem Film „Medicine for Melancholy“ war, drehte mit der ARRI ALEXA Plus.

Die poetischen Bilder bei „Moonlight“ entstanden mit einer ARRI ALEXA Plus

„Moonlight“ von Regisseur Barry Jenkins gilt als einer der besten Filme des Jahres. Director of Photography James Laxton spricht über die Dreharbeiten mit der ARRI ALEXA Plus.

Jenkins und Laxton trafen vor Produktionsbeginn die beiden wichtigsten Entscheidungen: in Florida zu drehen, insbesondere in Liberty City, dem Stadtviertel von Miami, in dem die Handlung stattfindet – und im anamorphotischen Verfahren zu drehen. Wie es zu letzterem Entschluss kam, lässt sich laut Laxton schwer festmachen. „Wir haben nicht darüber diskutiert“, sagt er. „Aber es erschien einfach richtig. Es macht Sinn, weil sich die Geschichte so groß anfühlt, so nuanciert, mutig und stark. Wir wollten die Figuren auf große und wirkungsvolle Weise filmen.“

Laxton (dessen Frau Adele Romanski den Films mitproduziert hat) und Jenkins begannen die Arbeit an „Moonlight“, indem sie Fotos und Clips in einen Dropbox-Ordner hochluden, zum Beispiel aus Spike Lees „Clockers“, Wong Kar-Wais „Happy Together“, Andrea Arnolds Version von „Wuthering Heights“, Sally Potters „Ginger & Rosa“ sowie Bilder verschiedener Fotografen, die sie auf Tumblr gefunden haben. Als Kamera entschied sich Laxton für die ALEXA Plus. „Die Hauttöne waren unglaublich wichtig“, betont er. „Wir wollten sicherstellen, dass sie bei unseren dunkelhäutigen Schauspielern natürlich und interessant aussehen. Wir haben sie auf eine Art ausgeleuchtet, die eher realistisch als schmeichelhaft war, und wir wollten, dass sich sie sich warm und nicht hart anfühlen. Die ALEXA nimmt anmutige, weiche Hauttöne auf, und das hat uns sehr geholfen.“

„Außerdem haben wir oft nachts gefilmt, also war uns die Lichtempfindlichkeit sehr wichtig“, so Laxton. „Ich war sehr zufrieden damit, wie die ALEXA mit niedrigen Lichtverhältnissen zurechtkommt. Bei manchen Szenen konnten wir sogar die nächtlichen Wolken rendern. Das lag auch an der Atmosphäre der Nächte in Florida, aber bei Nachtszenen Wolken ausmachen zu können, war schon ziemlich erstaunlich.“ Laxton testete Objektive beim Kameraverleih Cineverse, und entschied sich für Hawk V-Lites von Vantage.

Der Film wurde komplett in Miami gedreht, mit vielen Szenen in Liberty City und an den umliegenden Stränden. Entsprechend dominieren helle Magentatöne, Lindgrün und Ozeanblau die Farbpalette bei „Moonlight“. „Wenn wir in Häusern oder außen bei Nacht drehten, haben wir versucht, diesen Ansatz noch etwas weiter zu treiben, indem wir die Farbfilter an den Scheinwerfern wärmer einstellten oder manchmal ein paar Pink- und Grüntöne einsetzten“, erläutert Laxton. „Wir wollten die Zuschauer mit den Bildern überwältigen. Sie sollen spüren, wie intensiv die Gefühle während des ganzen Films sind, und die Beleuchtung sollte dieses Konzept unterstützen.“

Wir wollten die Zuschauer mit den Bildern überwältigen.

Laxton beschreibt die Zusammenarbeit mit Jenkins am Set: „Wir glauben, dass es wichtig ist, nahe bei den Schauspielern zu sein und auf sie reagieren zu können“, sagt er. „Wir sind nicht die Sorte Filmemacher, die im Videopark sitzen und Anweisungen geben. Wir bewegen uns mit den Schauspielern und der Crew.“ So erklärt sich, dass Laxton die Kamera fast durchgängig selbst bediente (außer bei den Steadicam-Szenen). „Wir wollten keine statische Kamera, die eine Szene mit einem Objektiv mit großer Brennweite aufnimmt. Kamera und Objektiv sollten in die Geschichten eingebunden sein. Das bedeutete oft, Walk-and-Talk-Aufnahmen zu machen. Ich denke, das spricht für unseren Ansatz, keine beobachtende Perspektive einzunehmen, sondern immer Teil des Geschehens zu sein.“

Die Szene, auf die er am meisten stolz ist, entstand nachts am Strand und ist von zentraler Bedeutung für den Film. „Wir mussten sie komplett mit künstlichem Licht ausleuchten“, erinnert er sich. „Wir haben eine Menge Scheinwerfer herbeigeschafft. Das kostete viel Zeit und Kapazitäten. Aber es handelte sich um eine wichtige und lange Szene in dem Film. Und sie wurde gut.“

Diese Schlüsselszene mochte Colorist Alex Bickel von The Color Collective beim Grading am meisten: „Nachtszenen sind immer schwierig, aber James gab uns ein wunderbares, seidiges Negativ als Arbeitsgrundlage. Er hüllte beide Schauspieler in weiches, elegantes Licht, das uns immer noch genügend Kontur gab, um die Dramatik herauszuarbeiten. Ich denke, bei der fertigen Szene passt das Visuelle wunderbar zum feinfülligen Inhalt.“

Laxton fasst zusammen: „Wir wollten auf keinen Fall eine beobachtende, wissende Perspektive einnehmen. Es sollte sich in keinem Moment so anfühlen, als ob wir uns emotional entfernen. Wir haben alle Entscheidungen so getroffen, dass wir die Figuren als echte Charaktere zeigen, die im selben Moment gut und schlecht sein können. Barry sagt von dem Film oft, dass es sich in gewisser Weise um einen Fiebertraum handelt – und dass das Publikum ein Teil dieses Traums ist.“

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