Für einen Image Trailer über den FC Bayern (Produktion: Evisco AG) ist die ALEXA Kamera gewissermaßen an ihre "Wiege" zurückgekehrt.
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Back to the Roots

Für einen Image Trailer über den FC Bayern (Produktion: Evisco AG) ist die ALEXA Kamera gewissermaßen an ihre "Wiege" zurückgekehrt. War es doch 2009 in der Münchener Allianz Arena, der Heimstatt des deutschen Fußball-Rekordmeisters, dass erstmals der in der ALEXA verbaute CMOS Sensorchip im echten 35 mm Format hinsichtlich seiner Leistungsfähigkeit gegenüber Konkurrenzprodukten auf „Herz und Nieren“ getestet wurde – und dabei voll überzeugen konnte. ARRI News wollte am letzten Drehtag wissen, was für die ausführenden Produzenten und Regisseure Nick Golüke und Uli Köhler von der Filmproduktion Alpenglühen sowie für DoP Florian Schilling die entscheidenden Kriterien waren, der ALEXA bei diesem Auftrag den Vorzug zu geben.

ARRI News: Sie sind nach zwei Drehtagen mit einem anderen Kamerasystem zu der Entscheidung gelangt, die weiteren Arbeiten mit der ALEXA auszuführen. Was waren die Gründe für diesen Wechsel mitten im Job?

 

Florian Schilling: Wir hatten zunächst ein System verwendet, bei dem wir feststellen mussten, dass es nicht ausgereift ist. Als uns dann bewusst wurde, dass wir in den nächsten Tagen für die Aufnahmen mit den FC Bayern-Stars und dem Vereinspräsidenten Uli Hoeneß nur ein sehr knappes Zeitfenster haben würden, wurde uns klar, dass wir schnell zu einem Kamera-System wechseln mussten, das unter allen Umständen funktioniert – bei dem man auch einmal über ein Kabel stolpern, oder auf den falschen Knopf kommen kann, ohne gleich den Betrieb für Stunden lahmzulegen …

 

Nick Golüke: … Vor ein paar Jahren hätten wir wahrscheinlich noch eine DigiBeta oder XDCAM benutzt, wir wollten aber unbedingt den großen Bildsensor für einen „Kino-Look“ der Aufnahmen. Da war die Systemauswahl ziemlich eng. Wir wussten zunächst auch nicht, ob die ALEXA unser Budget übersteigen würde. Die Produktion hat aber dann schnell eingesehen, dass sich der Einsatz auf jeden Fall lohnen wird. Gerade mit der absoluten Zuverlässigkeit dieser Kamera konnten wir unsere Kunden überzeugen. Reibungslose Abläufe und ein Top-Qualität waren das A und O bei diesem Projekt für den FC Bayern. Wir haben jetzt sechs Tage mit der ALEXA gedreht und wir hatten keinen einzigen Zwischenfall, es war ein reibungsloser Workflow, ein tolles Arbeiten. Und der Output, den die ALEXA liefert, macht bei einem Projekt wie diesem nachträgliche Farbkorrekturen nahezu überflüssig, was natürlich den Produktionskosten zugute kommt.

Uli Köhler: Dieser FC Bayern Image Trailer ist für uns ein wichtiges Projekt. Wir sind eine relativ junge Firma, auch wenn wir beide, Nick und ich, schon lange im Geschäft der Sport-Berichterstattung sind. Wir wollen ein optimales Produkt abliefern. Dazu muss natürlich auch alles glatt über die Bühne gehen, und das fängt letztlich bei der Kamera an. Der Kostenanteil des Kameraequipments liegt bei kleineren Projekten wie diesem bei gut 25 Prozent. Zugleich ist bei immer enger kalkulierten Budgets die Produktionssicherheit von absolut entscheidender Bedeutung. Ausfallzeiten kosten hier einfach bares Geld. Beim Equipment am falschen Ende zu sparen, kann da also fatal werden.

ARRI: Mit welchen Parametern setzen Sie die ALEXA ein?

FS: Da dieser Imagefilm einen stark dokumentarischen Charakter hat, fahren wir die ALEXA auf einem 4:2:2 Codec, was diese High-end Kamera eigentlich schon fast unterfordert. Aber es ist eben gut, dass sie diese Option auch zur Verfügung stellt und nicht nur RAW, was eine große Postproduktion erforderlich machen würde. Sie kann eben auch mit dem REC-709-Farbraum in 4:2:2 HQ ein Format liefern, das aus der Kamera direkt in den Schnitt gehen kann. Aufgezeichnet wurde auf SxS-Karten. Es ist ein großer Vorteil der ALEXA, dass sie intern dieses Feature bietet und ein Kartenformat verwendet, das man einfach in ein Notebook stecken kann, um das Material direkt zu sichten. Zudem eignet sich die ALEXA auch gut für Action-Aufnahmen. Ich habe sie oft wie ein EB-Kameramann auf der Schulter verwendet, ganz im Stil der klassischen Sportreportage, nur dass die Bilder durch den großen Chip natürlich entsprechend beeindruckender sind. Dabei habe ich gewöhnlich bei Standard EI 800 gearbeitet, nur mit ND-Filtern wo nötig.

ARRI: Eine provokante Frage: Ist man als Kameramann heute noch konkurrenzfähig, wenn man nicht mit der ALEXA gearbeitet hat?

 

FS: Lassen Sie es mich so ausdrücken: Einer der grandiosen Aspekte an der ALEXA ist, dass man sich unglaublich schnell mit dieser Kamera zurechtfindet, auch wenn man sie zum ersten Mal bedient. Ich hatte gestern einen Assistenten dabei, der noch nie mit der ALEXA zu tun hatte. Nach fünf Minuten war er eingearbeitet. Man versteht das System sofort. Die Menü-Struktur ist extrem einfach. Wer sich heute grundsätzlich mit Kameras auskennt, kommt mit der ALEXA auf Anhieb klar.

 

ARRI: Man hört andererseits auch, dass das Schärfeziehen mit den aktuellen digitalen Systemen schwieriger geworden ist. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

 

FS: Es ist deshalb für den Focus Puller schwieriger geworden, weil wir alle diese super flache Schärfentiefe haben wollen. Das ist im Moment noch aktueller als früher. Vor ein paar Jahren, als der P&S-Adapter ins Spiel kam, musste man schon mit offener Blende drehen, das war auch sehr schwierig. Mit der ALEXA kann man ja sogar bis zu 5,6 abblenden, wenn man das will. Es liegt eher an der Bildästhetik, die sich mit den Großchip-Kameras durchgesetzt hat, dass man immer mehr mit offener Blende dreht, und das macht es für den Focuspuller extrem anstrengend. Ein weiterer Punkt ist natürlich, dass sich der Focus Puller mit der Technik der elektronischen Kameras auskennen muss. Das ist schon anders als bei 35 mm Film, setzt eine gewisse Weiterbildung im Umgang voraus …

 

NG: … Es wird von uns allen inzwischen viel mehr verlangt, dass muss man ganz deutlich sagen. Da ist ein Hype entstanden um neue technische Möglichkeiten sowie eine Konkurrenzbeobachtung, die es früher so nicht gegeben hat. Die Entwicklung in der Kameratechnik ist gegenwärtig so unübersichtlich, dass man sich als Produzent voll auf das aktuelle Know-how des Kameramanns verlassen können muss.

ARRI: Wie und wo wird der Film, den Sie jetzt gerade fertigstellen, eingesetzt werden?

UK: Der FC Bayern realisiert gegenwärtig eine Erlebniswelt, eine Art Museum mit anderen Worten, hier in der Allianz Arena. Ein Projekt, das im nächsten Sommer den Betrieb aufnehmen soll. Es wird Europas größtes Sportmuseum mit vielen medialen Inhalten werden. Auch ein Kino ist vorgesehen, in dem der von uns produzierte 15 Minuten lange Image Trailer gezeigt werden wird. Er erläutert das Phänomen FC Bayern in verschiedenen Handlungssträngen und lässt den Zuschauer sehr nah an Dinge herankommen, die er sonst in dieser Form nicht zu sehen bekommt – etwa die Kabinenräume der Mannschaft oder das Zuhause der Spieler. Wir setzen dabei ganz auf aktuelle Statements der Spieler-Stars und des Managements, in einer Nähe zu den Personen, die sonst nicht erlebt werden kann. Es ist also der Mehrwert des von uns gewählten Kinoformats und der ästhetisch hochwertigen Optik, dass die Fans ihre Idole hautnah erleben. Und das in Umgebungen, die sonst für die Öffentlichkeit tabu sind.