In die Breite gegangen

In die Breite gegangen

Mit richtig breiten Objektiven zu drehen bedeutete immer, einen Kompromiss zwischen Brennweite und Bildleistung finden zu müssen. Je breiter die Objektive sind, umso weicher werden gewöhnlich die Ränder und umso größer die Verzerrung. Bei Architekturdrehs kann das sehr augenfällig werden – gerade Linien erscheinen plötzlich nicht mehr gerade, und Personen an der Bildrändern sehen oft verzerrt und unnatürlich aus.

ARRI Ultra Wide Zoom at the Ribbon Chapel in Japan

Matthew Allard ACS uses the ARRI Ultra Wide Zoom UWZ 9.5-18/T2.9 on an architectural shoot at the Ribbon Chapel in Hiroshima, Japan.

Kürzlich hatte ich bei einem Dreh in Japan das Glück, das ARRI UWZ 9.5-18/T2.9 verwenden zu können. ARRIs japanischer Distribuent NAC Image Technology hat es mir geliehen. Bei dem Projekt filmten wir auch die Ribbon Kapelle in Hiroshima, die Hiroshi Nakamura entworfen hat. Bei den World Architecture Festival Awards 2015 in Singapur kam das Gebäude bis ins Finale. Es wird von zwei freistehenden, spiralförmigen Treppen umschlungen und ist somit selbst eine Metapher für die Ehe.

Es ist eine schwierige Aufgabe, einen Sinn für den Raum zu vermitteln und zu zeigen, wie weit das menschliche Auge sehen kann. Man kann es mit einem Fisheye Objektiv versuchen, aber die Bilder sind immer sehr verzerrt und sehen unnatürlich aus. Das ARRI UWZ war das perfekte Objektiv für diesen Auftrag. Es ermöglichte mir, Bilder einzufangen, die ich mit gewöhnlichen Objektiven niemals hätte drehen können. Der Innenraum der Kapelle ist nicht allzu groß, aber wenn man sich darin befindet, wirkt sie größer als sie tatsächlich ist. Das UWZ erlaubte mir nachzubilden, was mein Auge sehen konnte.

Ich habe es für viele Aufnahmen verwendet, ebenso das TLS 80-200 mm T2.8. Für einige der Aufnahmen mit Bewegung habe ich den Wally Dolly eingesetzt, selbst wenn ich ihn auf unebenem Boden einsetzte. Ich habe alles mit der ARRI AMIRA in 3.2K in ProRes 4444 12 bit gedreht und dann in FCPX geschnitten.

Das UWZ ist ein erstaunliches Glas für alle, die ein Ultra Wide Zoom suchen, das die Bildqualität nicht beeinträchtigt.

Das UWZ ist ein großes Glas und wiegt 4,8 kg. Um es auf der AMIRA nutzen zu können, brauchte ich 19mm Stützrohre, eine Objektiv-Unterstützung und eine Dovetail Adapterplatte, die ich an meinem Sachtler 18 P Stativ  befestigte. Das UWZ bietet hochmoderne optische Technologie, und ARRI musste einige Dinge anders machen, um ein derart breites Objektiv zu entwickeln, das die Bildqualität nicht beeinträchtigt. Das UWZ dreht das Bild nicht optisch wie die meisten anderen Objektive, es zeigt es verkehrt herum. Es ist seltsam, das gedrehte Material im Schnitt verkehrt herum zu sehen, aber in den meisten NLE Systemen lässt es sich ganz schnell wieder umdrehen.

In erster Linie fällt einem bei der Arbeit mit dem UWZ auf, dass es ein geradliniges Bild erzeugt –Linien bleiben gerade – und eine erstaunliche Qualität, egal mit welcher Brennweite man arbeitet. Bei den meisten Weitwinkel-Objektiven werden die Ecken sehr weich, und gerade Linien verziehen sich und werden gebogen.

Die Arbeit mit dem UWZ war ein Vergnügen. Das Objektiv bleibt erstaunlich scharf, sogar wenn es ganz weitwinklig verwendet wird, produziert genau die richtige Menge an Streulicht, und das Bild wird kein bisschen weich, noch nicht mal an den Rändern. Das Objektiv ist wie ein Panzer, und Fokus, Blende und Zoomanwendungen sind so erstklassig, wie man das erwartet. Erstaunlich ist auch, dass das Objektiv keinerlei Bildpumpen (Breathing) erzeugt.

Das UWZ ist ein erstaunliches Glas für alle, die ein Ultra Wide Zoom suchen, das die Bildqualität nicht beeinträchtigt. Das Objektiv deckt einen Bildkreis von 34,5 mm ab und passt nicht nur in ein ARRI LDS PL Mount, sondern auch in das Canon EF Mount. Ich glaube nicht, dass viele Leute auf die letztere Variante setzen, aber es ist gut zu wissen, dass auch diese Möglichkeit besteht.

Zuerst auf newsshooter.com veröffentlicht.