Reiner Holzemer: Besitzer und Nutzer der AMIRA

Reiner Holzemer: Besitzer und Nutzer der AMIRA

In seinem Gespräch mit ARRI berichtet Dokumentarfilmer Reiner Holzemer von den ersten Erfahrungen mit seiner AMIRA bei einem Videoporträt des niederländischen Fotografen und Filmregisseurs Anton Corbijn sowie bei einer 90-minütigen Dokumentation über Franz Beckenbauer. Als er darauf zu sprechen kommt, wie er bei Aufnahmen mit dem belgischen Modedesigner Dries Van Noten bis zu fünf AMIRAs  einsetzte, kommt Els Voorspoels mit ins Gespräch. Voorspoels ist freischaffender Producer für Van Noten und hat die Gesamtverantwortung für dessen Videos vom Laufsteg, für Imagefilme und Video-Installationen.

Der Wechsel zu UHD war mit ARRI einfach und bezahlbar. Das macht die AMIRA zu einer wirklich guten langfristigen Investition.

Warum haben Sie sich dazu entschlossen, in die AMIRA zu investieren?

Reiner Holzemer:
Ich habe mir natürlich auch andere Kameras angeschaut, aber als ich die AMIRA sah, war es Liebe auf den ersten Blick. Nach gerade mal zwanzig Minuten konnte ich mit der Kamera arbeiten. Es gibt keine Menüs mit endlos vielen Seiten, und die Bedienung ist leicht. Ich versuche, bei meiner Arbeit nah an den Leuten zu sein, Technik darf mich da nicht ablenken oder aufhalten. Was vor der Kamera geschieht, passiert nur einmal, es kann nicht wiederholt werden, da muss man seinem Arbeitsgerät vertrauen können.

Ihre erste Erfahrung mit der AMIRA war bei dem Portrait von Anton Corbijn. Wie haben Sie die Kamera bei diesen Aufnahmen eingesetzt?

RH:
Der Dreh mit Corbijn war sehr einfach. Das Budget war so niedrig, dass ich am Anfang selbst drehte, wenn er vor Ort war, zunächst noch mit kleineren Kameras. Erst später hatte ich die AMIRA zur Verfügung und machte mit ihr die Interviews auf einem Stativ. Das erhöhte den Produktionswert ganz erheblich, da die Bilder so schön sind, selbst wenn man 20 oder 30 Sekunden lang nur auf ein Gesicht schaut. Der Unterschied in der Bildqualität, im Aufbau und in der Schärfentiefe ist gewaltig – das sieht sofort nach Kino aus. Natürlich hätte ich im Nachhinein auch die beobachtenden Passagen gerne mit der AMIRA aufgenommen, aber sie war zu dieser Zeit nicht verfügbar.

Die Crew bestand höchstens aus mir, als Regisseur und Kameramann, sowie einem Tonmann. Die AMIRA hat einen kleinen Monitor, darum muss man nicht durch den Sucher schauen. Das ist bei Interviews von Vorteil, wenn man gleichzeitig Fragen stellt und die Cadrage überprüft. Wenn man mit dem verfügbaren natürlichen Licht arbeitet, ist man wechselndem Sonnenlicht und Wolken ausgeliefert, aber das hat mich nicht aus der Ruhe gebracht. Denn ich wusste ja, dass die AMIRA einen Dynamikumfang von 14 Blenden hat und ich mit Log C jede Menge Spielraum im Grading haben würde. Ich war mir sicher, dass ich mich auf die AMIRA verlassen konnte, und hatte keine Bedenken wegen Unter- oder Überbelichtung.

Wie war das mit Beckenbauer? Drehten Sie hauptsächlich mit Handkamera oder wechselten Sie zwischen Schulter und Stativ?

RH:
Bei dem Beckenbauer-Film war es eine Mischung aus beidem. Es gab einige arrangierte Aufnahmen in Stadien wie Wembley, Rom und Berlin, wo wir Interviews vom Stativ aus machten, es gab aber auch viele Aufnahmen aus der Beobachter-Perspektive, mehr im Stil des Cinéma vérité. Da bin ich ihm mit der AMIRA auf der Schulter gefolgt, manchmal mit einem Tontechniker neben der Kamera, manchmal auch nur allein mit einem kabellosen Mikro an der AMIRA. Das ist für mich die beste Art mit der Kamera zu arbeiten: Man ist sehr beweglich und bekommt dennoch extrem hochwertige Bilder.

Wie war Ihre Arbeitsweise beim ersten Dreh mit Van Noten?

RH:
Dries mag es nicht, viele Kameras und Medienleute um sich zu haben. Er lässt sich nur ungern beobachten. Er hat mich als Person akzeptiert, aber ich musste allein arbeiten. Ich befestigte ein sehr gutes Mikrofon an der Kamera, das den Ton aus der Richtung des Objektivs aufnimmt und einen zweiten Kanal hat, der auf die Seiten gerichtet ist. So konnte ich mich auf Dries konzentrieren, wenn er mit jemandem sprach, und hatte immer zwei Kanäle für den Dialog. Er trug auch ein kabelloses Mikrofon, das mit der Kamera verbunden war. Die Audio-Funktionen der AMIRA, sowohl die automatischen wie die manuellen, erlauben mir, allein und absolut unabhängig zu arbeiten. Ich hatte die Kontrolle über den Ton, konnte mich aber auf das Bild konzentrieren, während ich Dries unaufdringlich folgte.

Dries merkte sofort, dass die AMIRA den Farben und der Beschaffenheit der Stoffe erheblich besser gerecht wird.

War der Ansatz bei den zweiten AMIRA Aufnahmen mit Dries ein anderer?

Els Voorspoels:
Bei Dries’ Herrenmodenschau im Sommer 2016 machten wir einen Versuch mit zwei AMIRA Kameras, kombiniert mit den drei XDCAMs, die wir üblicherweise verwenden. Fashionshows werden anders ausgeleuchtet als Filmaufnahmen, was zu einer unpassenden Beleuchtung führen kann, mit hellstrahlendem Motiv und dunklem Hintergrund. Dank des Dynamikumfangs der AMIRA wird dieser Effekt erheblich abgeschwächt, und alle Farbtöne werden natürlich erfasst. Bei Durchsicht der Muster merkte Dries sofort, dass die AMIRA den Farben und der Beschaffenheit der Stoffe erheblich besser gerecht wird. Die größere Bildschärfe und Farbtreue stellte das volle Potential seiner Kollektion heraus. Der Unterschied zu den XDCAMs war unbestreitbar.

Sie haben danach die AMIRA erneut verwendet, um in 4K UHD aufzuzeichnen. Was war der Grund?

EV:
Nach diesem Testlauf habe ich mit meiner Kameracrew diskutiert, ob wir bei der nächsten Fashionshow mit fünf AMIRA Kameras aus jedem Blickwinkel drehen sollten. Der mit Abstand schwierigste Blickwinkel ist der halbnahe von vorn, bei dem die Models direkt auf die Kamera zulaufen. Das erfordert eine Kombination aus Fokus und Zoom, man braucht also einen Schärfezieher. Die höheren Kosten und Leihgebühren der Kameras trieben das Gesamtbudget in die Höhe. Dafür war die Farbkorrektur erheblich weniger zeitaufwendig. Neben einer finalen Fassung in 1080p muss ich auch eine Portrait-Version (Seitenverhältnis 9:16) abliefern, für die eine zweifache Vergrößerung nötig ist, um den Bildausschnitt neu zu kadrieren, und das geht natürlich zu Lasten der Qualität. Das trug zur Entscheidung bei, mit der AMIRA in 4K UHD zu drehen.

Reiner, haben Sie die UHD-Lizenz dauerhaft auf Ihrer AMIRA? Sind mehr Ihrer Kunden interessiert daran, in 4K UHD zu drehen?

RH:
Ich habe eine dauerhafte UHD-Lizenz, weil ich oft Langzeit-Dokumentationen drehe. Ich habe vor kurzem eine Arbeit über das Deutsche Museum in München begonnen, die zehn Jahre dauern wird. Von Anfang an wollte ich dafür die bestmögliche Bildqualität haben, die trotzdem bezahlbar ist. Denn ich will ein glänzendes Ergebnis liefern, das meine Kunden auch 2025 noch fasziniert. Ich bin zuversichtlich, dass ARRI neue Software-Lösungen anbieten wird, um die Qualität meiner Kamera auf dem jeweils aktuellen Stand zu halten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine andere Firma dazu in der Lage ist.

Sie sind also noch immer zuversichtlich, dass sich Ihre AMIRA als langfristige Investition bewähren wird?


RH:
Ich habe mich entschieden, die AMIRA zu kaufen, als sie erst wenige Wochen auf dem Markt war, damals war sie noch auf 2K beschränkt. Viele Kollegen warnten mich, dass die Kamera bald veraltet sein würde, da 4K im Kommen war. Damals brauchte ich diese Option nicht, jetzt schon. Der Wechsel zu UHD war mit ARRI einfach und bezahlbar. Das macht die AMIRA zu einer wirklich guten langfristigen Investition. Ich vertraute von Beginn an auf die Philosophie von ARRI. Sie sagten beim Kauf dieser Kamera, man könne mit ihr fünf oder gar zehn Jahre arbeiten, was in dieser Branche eine lange Zeit ist. Andere Hersteller wechseln ihr Equipment sehr häufig und lassen die Kunden hängen, aber ich habe Vertrauen in die Philosophie von ARRI, auf eine lange Nutzungsdauer ihrer Produkte zu setzen.

 

Pauline Bugler