Kameramann Jaime Reynoso dreht mit der AMIRA

Kameramann Jaime Reynoso dreht mit der AMIRA

HBO brachte BALLERS im Juni ins US-Fernsehen. Die Einschaltquoten waren hoch, und sofort produzierte der Sender eine zweite Staffel der Serie. Entwickelt hat sie Stephen Levinson, der davor unter anderem ENTOURAGE produzierte. BALLERS handelt von einem ehemaligen Football-Spieler, gespielt von Dwayne Johnson, der sein Glück im Finanzmanagement für Football-Profis sucht.

Ein Vergleich ist berechtigt: Während ENTOURAGE das Publikum hinter die Kulissen Hollywoods blicken lässt, enthüllt BALLERS, was im professionellen Football abseits des Spielfelds passiert. Da in Miami gedreht wurde, war es möglich, für BALLERS die Crew zusammenzubringen, die gerade BLOODLINE fertiggestellt hatte. Darunter war auch Kameramann Jaime Reynoso. Er verstand sich mit Regisseur Julian Farino auf Anhieb bestens, als sie gemeinsam die zweite Episode „Raise Up“ in Angriff nahmen

„Wir stellten rasch fest, dass wir ähnliche Vorstellungen haben“, sagt Reynoso. „Er kommt vom Dokumentarfilm, und in diesem Stil habe ich BLOODLINE gedreht.“ Reynoso tendierte zu einem eher dokumentarischen Stil, seit er 2012 an A CAMBODIAN WINTER gearbeitet hatte. „Wir drehten ohne Beleuchtung und Crew, und für mich war das eine befreiende Erfahrung“, sagt er. „Es erinnerte mich an meine frühe Beziehung zum Bild – daran, wie ich mich in Bilder verliebt habe.“

Im Gespräch mit Farino erläuterte Reynoso diese Herangehensweise und auch sein Faible dafür, nicht zu proben. „Ich beginne einfach zu drehen, und die Kameraassistenten und Operators haben keine Ahnung, was passieren wird“, sagt er. „So entstehen all diese Unvollkommenheiten, die ich so liebe.” Obwohl BALLERS zweifellos auch glänzende Oberflächen zeigt, wollten die beiden der Serie auch Tiefe und Substanz geben. „Auch wenn die Serie lustig ist, so berührt sie doch die Tragödie all der NFL-Spieler, die nach zwei oder drei Jahren pleite sind und Probleme mit der Gesundheit haben“, sagt er.

Reynoso wusste, dass die ARRI AMIRA gerade herausgekommen war und Keslow Camera ihm diese bereitstellen konnte. „Ich war der Meinung, dass sie für eine Serie mit Handkamera und dokumentarischem Look genau richtig war“, sagt er. „Sie wollten mehrere ALEXAs und AMIRAs im Truck haben, um zwischen ihnen wechseln zu können, was sehr clever war.“ Das erste, was Reynoso an der AMIRA gefiel, waren ihre Größe und Gewicht. Für ihn sind diese ein „offensichtliches Verkaufsargument“.

Die AMIRA passte auch gut zum dominierenden Handkamera-Stil von BALLERS. „Ab und zu kam ein Dolly zum Einsatz, und hin und wieder drehten wir mit der Steadicam, weil ‚The Rock’ so groß ist. Wir brauchten die Steadicam also manchmal, um die Kamera auf die richtige Höhe zu bringen”, sagt er. „Selbst mit einem Operator, der so groß ist wie er, konnte es schwierig sein, um ihn herum zu gehen und zu agieren. Das machten wir deshalb mit der Steadicam.“ Die Verwendung mit Steadicam wurde durch ein weiteres Feature der AMIRA einfacher, so Reynoso. „Ich liebe das System von Adapterplatten für Unter- und Oberseite, an denen Griffe und Halterungen befestigt werden können. Damit kann man sehr schnell von Steadicam zu Handkamera wechseln“, sagt er. „Ein sehr gutes System – ich hoffe, man wird das auch für die ALEXA ergänzen.“

Die Möglichkeit, LUTs zu laden, war ein weiterer Vorteil bei BALLERS. „Wir erstellen LUTs, laden sie in die Kamera und schon geht’s los“, sagt er. „Wir haben Optionen für Looks, die zwar in der Kamera vorhanden, aber nicht in die Looks eingebrannt sind. Man kann sie den Dailies mitgeben, und wenn man vier Monate später mit der Farbgestaltung beginnt, ist alles verfügbar. Das ist wie eine freie Bahn zur 20-Yard-Linie.”

„Positiv überrascht“ war Reynoso auch von der Empfindlichkeit der AMIRA. „Obwohl sie laut Werksangaben bei 800 ASA liegt, konnte ich Außenaufnahmen bei Nacht machen und die Polarisationsfilter auf dem Kompendium lassen“, sagt er. „Ich verwendete die ganze Zeit Polarisationsfilter: Tag und Nacht, drinnen und draußen.“ Um den Look so natürlich wie möglich zu halten, war Reynoso zurückhaltend mit der Ausleuchtung. „Ich gehöre zu den Kameraleuten, die lieber auf die richtige Tageszeit für eine Aufnahme warten, statt einen Kran mit Scheinwerfern aus dem Fenster zu halten“, sagt er. „Natürlich hatten wir eine Menge Beleuchtung, aber ich fand einen Mittelweg, bei dem ich versuchte, möglichst kein Licht ans Set zu bringen. Ich ließ die Sonne machen, was sie wollte.“

Am anspruchsvollsten war bisher eine Episode mit einer nächtlichen Party, die zum Teil auf einer Yacht stattfand. „Wir hatten die Nächte einer Woche zur Verfügung”, sagt er, „und jede Menge Komparsen waren dabei, was problematisch sein kann. Dreharbeiten auf Schiffen sind immer schwierig, aber der erste Regieassistent Richard [Fox] erkannte schnell, wo die Herausforderungen lagen. Es war schwierig, aber gut. Alle waren bester Laune und der Dreh verlief sehr harmonisch.“

Reynoso drehte früher einstündige Dramen und Spielfilme, jetzt aber hat er, „den Reiz der halbstündigen Sendung entdeckt“, wie er sagt. „Das ist wirklich befreiend, nicht alles muss die Handlung vorantreiben. Einiges darf einfach nur Spaß machen.” Und würde er wieder mit der AMIRA arbeiten? „Aber natürlich, ohne Zweifel“, sagt er. „Sie ist für mich die ideale Kamera für Aufnahmen aus der Hand und für alle Drehs in engen Räumen.“