Arbeiten mit ARRIRAW

Mit Looks drehen

Manchmal ist es von Vorteil die Aufnahmen mit dem kreativen „Look and Feel“ anzuschauen, den der Film am Ende haben soll. Bei einer ALEXA Produktion können Sie das auf verschiedene Art und Weise bewerkstelligen. Ein ARRI Look File kann direkt in der Kamera geladen werden. Damit wird das herkömmliche Log C Bild so umgewandelt, dass es dem gewünschten Ergebnis recht nahe kommt. Sie können aber auch mit Hilfe einer externen Hardware ein ASC CDL Grading auf einem Monitorausgang anschauen.

ARRI Look Files

Wenn an einem Ausgang ein ARRI Look File aktiviert wird, ist der Look in Form von Metadaten in den aufgezeichneten Daten eingebettet. Zwar ist es möglich, einen Look auf jeden beliebigen Ausgang zu legen, doch in der Regel werden hierfür nur die Monitorausgänge genutzt. Das aufgezeichnete Bild bleibt in diesem Fall unverändert, damit es später in der Postproduktion so flexibel wie möglich bearbeitet werden kann. Bei der Aufzeichnung in ARRIRAW werden Look-Dateien in die Metadaten jedes einzelnen Frames eingebettet. Dies ermöglicht eine umfangreiche, reversible Bildverbesserung.

Wenn Sie ein ARRI Look File erstellen möchten, benötigen Sie ein Log C DPX-Standbild (REC OUT auf HD422 / 444 Log C Extended Range) oder ein ARRIRAW Bild auf einer SD-Karte. Laden Sie das Standbild in den kostenlosen ARRI Look Creator (ALC) oder den ARRIRAW Converter und erstellen Sie Ihren Look. Speichern Sie am Ende die Korrekturen auf SD-Karte und laden Sie das ARRI Look File in die ALEXA. Optional können Sie ein Referenzbild mit dem Look exportieren.

Das ARRI Look File enthält Parameter für die Sättigungs- und Kopierlichtsteuerung (RGB-Offsets) und Steuerparameter für Lift, Gamma und Gain. Optional kann eine Look-Datei auch eine Freihandkurve (LUT für die Dynamikkompression der Graustufen) enthalten, die anstelle der standardmäßigen Kurve für die Umwandlung von Log C nach Video angewendet wird, um den Kontrast oder den Lichter-Roll-off anzupassen. Looks können auch mit der Software von Drittanbietern erzeugt werden, beispielsweise mit Pomfort Live Grade und Silverstack SET oder Colorfront On-Set Dailies. Live Grade ermöglicht außerdem die Erstellung von Looks auf Basis eines Live-Signals direkt von der Kamera mit einer sog. LUT-Box.

ASC CDL Looks

On-Set Grading Systeme können eine ASC CDL Farbkorrektur (American Society of Cinematographers Color Decision List) auf ein Live-Signal legen und es an den angeschlossenen Monitoren ausgeben. Wird die kamerainterne Aufzeichnung genutzt, kann eine sauberes Log C Bildsignal (Cleanfeed) am REC OUT einer ALEXA ausgegeben werden. Wird ARRIRAW über T-Link gesendet, muss der Cleanfeed entweder vom MON OUT der ALEXA oder vom Monitorausgang des ARRIRAW Recorders kommen. Der ASC CDL Standard wird von einer breiten Gerätepalette unterstützt.

Die Farbkorrektureinstellungen, die auf dem Livebild während der Dreharbeiten erstellt wurden, können zusammen mit dem Timecode geloggt werden und dann in eine Avid Log Exchange-Datei (ALE) ausgegeben werden. Die ALE-Datei kann dann verwendet werden, um die CDL-Korrekturen beim Erstellung des Materials anzuwenden.

Wird ein Codex Onboard Recorder mit einem Farbkorrektur-System über Ethernet verbunden, erfasst er automatisch die ASC CDL Korrekturwerte mit den Kameraaufnahmen*. Der VFS-Encoder kann dann die Farbkorrektureinstellungen nutzen und bei der Erstellung der Dailies-Clips automatisch anwenden. Das neue XR Modul behält die gleiche Funktionalität wie seine Systemvorgänger.

*Hinweis: Codex Onboard Recorder unterstützen verschiedene Protokolle für die Übermittlung der CDL-Werte. Das XR Modul unterstützt nur das Truelight-Protokoll, das in verschiedenen Farbkorrektursystemen enthalten ist.

Kompatibilität

Ein ARRI Look File und eine ASC CDL bieten jeweils unterschiedliche Parametersätze für die Farbkorrektur. Die einzigen Überschneidungen beziehen sich auf die Lift-, Gamma- und Gain-Parameter (die in Slope-, Offset- und Power-Parameter konvertiert werden können). Das ARRI Look File bietet umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten, doch die Kombination aller Optionen enthält Operationen, die von den meisten Grading-Tools nicht unterstützt werden. Wird ein ARRI Look File ins Color Grading gebracht, muss es erst mit Hilfe des ARRI LUT Generator in eine 3D LUT umgewandelt werden. Die 3D LUT agiert wie eine Black Box, d. h. man kann sie nicht durch Parameter beeinflussen. Der Colorist kann eine 3D LUT lediglich zu Referenzzwecken für den gewünschten Look anlegen, muss dann aber den Look von Grund auf neu erstellen. Fairerweise muss gesagt werden, dass die meisten Coloristen ohnehin neu anfangen.

Der Vorteil der ASC CDL ist, dass sie von den meisten Grading-Tools vollständig unterstützt wird und daher beim Color Grading geladen und optimiert werden kann. Ihr Nachteil: beispielsweise das Fehlen von Steuerungsmöglichkeiten für die Primärfarbkorrektur.

Das Beste aus beiden Welten.

Sie können sich für die eine oder andere Methode entscheiden, Sie haben aber auch die Möglichkeit, die Vorteile beider Verfahren zu kombinieren. Die Primärfarbkorrektur des Log-C-Signals des ARRI Look File können Sie nutzen, um den Basis-Look einzustellen und das resultierende REC 709-Videobild mit einer On-Set-Farbkorrektur mittels der ASC-CDL-Steuerparameter weiter anzupassen. Ein Colorist kann dann daraus die gleiche Farbkorrektur in seinem Color Grading-Programm erstellen und dabei die Zahlenwerte aus dem ARRI Look File und der ASC CDL nutzen. Wurde auch die Sättigung im ARRI Look angepasst, kann der Colorist den Wert hierfür nicht übernehmen, er wird aber problemlos eine Einstellung mit passenden Ergebnissen finden.