Arbeiten mit ARRIRAW

ARRIRAW Processing Pipeline

Über das ARRI Partnerprogramm hat ARRI langfristige Beziehungen zu Geräteherstellern im Postproduktionsbereich aufgebaut. Diese Partnerschaften haben zur Vereinfachung der direkten Weiterverarbeitung von ARRIRAW Daten in den führenden Effekt- und Farbkorrekturprogrammen geführt. ARRI bietet ein Softwareentwicklungskit (SDK) für ARRIRAW an. Darin enthalten sind eine Dokumentation über die ARRIRAW Bildverarbeitungskette und eine Software-Bibliothek, sprich: ein ausführbarer Code, den die Anbieter in ihre Anwendungen integrieren können. Darüber hinaus unterstützt ARRI Anbieter, die das ARRIRAW Format selbst implementieren möchten und kontinuierlichen Direkt-Support wünschen. Hierzu steht zum Beispiel eine umfassende Dokumentation der drei Phasen der Farbverarbeitungs-Pipeline zur Verfügung.

Die erste Phase der Verarbeitung von ARRIRAW ist die rechenintensivste: ARRIRAW Bilder haben (wie alle Kamera-Rohbilder) nur einen Kanal. Mit Hilfe eines Algorithmus zur Rekonstruktion der Farbe werden die fehlenden Komponenten jedes Pixels berechnet. Dieser Prozess erfolgt je nach Typ und Position der Farbfiltermatrix auf dem Kamerasensor. Die ALEXA verwendet die Farbfiltermatrix mit Bayer-Muster. Der Vorgang der „Farbrekonstruktion“ wird deswegen auch „De-Bayering“ genannt. Das Bayer-Muster filtert das auf den Sensor fallende Licht. Dabei entfallen 50 % der lichtempfindlichen Sensorbereiche auf die Grün-, 25 % auf die Rot- und die restlichen 25 % auf die Blautöne.  

Das linke Bild oben zeigt eine Einkanal-Aufnahme des Sensors. In der Mitte ist das von der Alexa verwendete Muster der Farbfiltermatrix zu sehen. Rechts wird das rekonstruierte Bild gezeigt. Die Hälfte der rekonstruierten Grünwerte des Bildes wird nicht einfach erfasst, sondern aus den umliegenden lichtempfindlichen Bereichen interpoliert, also aus Dreiviertel Rot und Dreiviertel Blau.

Die Ausgabequalität des Bildes hängt vom De-Bayering-Algorithmus ab. Allgemein gilt, dass ein einfacher Algorithmus schneller verarbeitet wird, jedoch auch eine höhere Wahrscheinlichkeit von Farbfehlern mit sich bringt. Der ALEXA Sensor bietet eine horizontale Auflösung von 3440 Pixeln, aus denen die durch Hoch- oder Runterrechenroutinen optimierte Bilder mit einer HD, 2K oder UHD-Auflösung entstehen. Für Visual Effects (VFX) werden die Bilder oft mit Hilfe der nativen Sensor-Pixelanzahl verarbeitet und zu einem späteren Zeitpunkt beispielsweise auf 2K herunterskaliert. Dieser Ansatz nutzt die Auflösung der Leuchtdichte, die mit der Sensor-Pixelanzahl korreliert.

 

ARRIRAW SDK und Anwendungen von Drittanbietern

In vielen Fällen sind die ARRI Softwareentwicklungskits (SDK) schnell und anpassungsfähig genug, um die Programmanforderungen externer Entwickler zu erfüllen. Einige Teilnehmer des Partnerprogramms möchten die ARRIRAW Bildverarbeitungskette jedoch lieber selbst implementieren, vor allem dann, wenn sie für ihr Produkt spezifische Hardware (oder Standard-Hardware in nicht standardmäßiger Weise) nutzen. In solch einem Szenario können Entwickler der Partnerprogramme die ARRI SDKs als Referenz nutzen, um ihre Ergebnisse zu testen, bevor sie der ARRI Workflowgruppe zur Bewertung vorgelegt werden. Manche Anbieter bieten beide Ansätze: Nutzer können entweder durch passende SDK oder durch andere Programme, die die ARRI SDK Implementierung verwenden, die gewünschten Ergebnisse erzielen.

 


Abweichungen und Toleranzen

Hat ein Drittanbieter die ARRIRAW Bildverarbeitungskette in seinem Produkt implementiert, kann er die Ergebnisse bei ARRI einreichen. Unsere Ingenieure bewerten diese Bilder dann anhand von standardisierten Tests. Nur wer absolut zufriedenstellende Ergebnisse liefert, erhält die Auszeichnung „Certified for ARRIRAW Processing“ für sein Produkt.

ARRI erlaubt den Teilnehmern des Partnerprogramms, Abweichungen bei der Durchführung der ersten (De-Bayering-) Phase der Weiterverarbeitungskette vorzunehmen. In der zweiten und dritten Phase, in denen die Log C  oder Video-Codierung abgeschlossen wird, sind keine Abweichungen erlaubt. Der Grund für die Flexibilität in Bezug auf den De-Bayering-Prozess ist, dass einige Plattform-Anbieter in der Regel ein „weicheres“ Bildergebnis mit ihrem De-Bayering-Prozess erzeugen.  Diese Plattformen haben nach der Umwandlung von ARRIRAW ins gewünschte Arbeitsformat die Option, die Schärfe nachzubearbeiten. ARRI zertifiziert unter spezifischen Bedingungen die Standardeinstellungen eines Produkts, auch wenn die erzeugten De-Bayering-Bilder weniger scharf sind als die SDK-Referenz: Das Produkt muss Einstellungen bieten, die das konvertierte Bild so rendern, dass es der SDK-Referenz entspricht. Das Bild muss hierbei frei von Artefakten sein und der Geometrie, Farbbalance, Farbwiedergabe, Farbtiefe und den Metadaten der Referenzvorgabe entsprechen.

ARRIRAW Converter

Der ARRIRAW Converter bietet eine grafische Benutzeroberfläche für ARRI SDK Referenzen. Abgesehen vom ARRIRAW Converter (ARC) ist ein Kommandozeilenprogramm zur Bearbeitung von Bildern oder Bildsequenzen für Mac OS X, Windows sowie für die Linux-Distributionen RedHat, SUSE und CentOS Linux verfügbar.



Sie können Ihren ARC im Download-Bereich für den ARRIRAW Workflow herunterladen.

Testen des Workflow

ARRI empfiehlt die Durchführung von Tests, um festzulegen:

 

  • wie der beabsichtigte Look mit den gewählten Programmen erreicht werden kann.
  • welche verschiedenen Tools eingerichtet werden müssen, um den Produktionsanforderungen an konsistente Ergebnisse gerecht zu werden.
  • welche Einstellungen für ein ausgewähltes Programm erforderlich sind, damit sie am stärksten den SDK-Referenzergebnissen entsprechen, wenn keine anderen Referenzergebnisse zur Verfügung stehen.

Sie können ein von einer ALEXA aufgezeichnetes ARRIRAW Standbild als Testmaterial verwenden. ARRI bietet ARRIRAW Testmaterial in allen verfügbaren Formaten an. Eine genaue Anleitung finden Sie im Bereich ALEXA/Lernen