Filminstallation MANIFESTO – gedreht mit ALEXA

Filminstallation MANIFESTO – gedreht mit ALEXA

MANIFESTO ist das neueste Filmprojekt des Künstlers Julian Rosefeldt und des Kameramanns Christoph Krauss (BVK). Die Kunstinstallation auf zwölf parallelen  Kanälen ist die mit Abstand ambitionierteste ihrer zahlreichen gemeinsamen Arbeiten. Weil er eine zuverlässige, unerschütterliche Kamera-Ausrüstung für die hektischen Aufnahmen brauchte, entschied sich Krauss, das ungewöhnliche Projekt mit ALEXA XT Plus und ALEXA Plus Kameras aufzuzeichnen.

Der in Berlin tätige Künstler Julian Rosefeldt hat eine Collage von Manifesten historischer Künstler geschaffen. Er geht damit der Frage nach, ob diese im 21. Jahrhundert noch glaubhaft klingen. Darunter sind Schriften von Futuristen, Dadaisten, Surrealisten, Vertretern des Fluxus und anderer Richtungen. Cate Blanchett hat die Texte vorgetragen, manchmal flüsternd, manchmal im Stil einer Predigerin, und die Manifeste haben dabei ein Eigenleben entwickelt. Blanchett erscheint auf der Leinwand als Choreographin, Lehrerin, Nachrichtensprecherin und – nahezu unkenntlich – als obdachloser Mann. Ihre Darbietungen werden auf zwölf Leinwände projiziert, sogar auf 13, wenn man die Einführung mitzählt. „Cate war wirklich ein Geschenk, mit ihr zu arbeiten ist eine Freude. Sie ist so unglaublich vielseitig”, sagt Krauss.

MANIFESTO ist das zwölfte Projekt, an dem Rosefeldt und Krauss zusammengearbeitet haben. Um die Rolle des Künstlers im 21. Jahrhundert zu hinterfragen, nimmt Rosefeldt den Betrachter in geradezu surreale, theatralische Welten mit, um Themen wie Störung, Entfremdung und gesellschaftliche Zerrüttung zu erkunden. In einer der Inszenierungen ist Blanchett als Choreographin zu sehen, ihr strenges Kostüm und ihr sengender Blick stehen in scharfem Kontrast zu den fast kitschigen, glitzernden Kostümen ihrer Tänzer. In einem gebrüllten Monolog, mit geradezu militärischem Drill gibt sie das berühmte Fluxus-Manifest von George Maciunas wieder, während Studenten über die Bühne des Friedrichstadt-Palasts tanzen. „Reinigt die Welt von toter Kunst, Nachahmung, künstlicher Kunst, abstrakter Kunst, illusionistischer Kunst, mathematischer Kunst“, befiehlt sie. „Fördert revolutionäre Flut und Überschwemmung in der Kunst, eine lebendige Kunst, Anti-Kunst.“

Eine andere Szene, die für den Suprematismus steht, zeigt Blanchett als Wissenschaftlerin in einem schalltoten Raum und anderen Forschungslabors. An einer Stelle zitiert sie das Manifest des Suprematismus von Kasimir Malewitsch: „Die Dinge sind verschwunden wie der Rauch; ich habe den Ring des Horizonts zerstört und bin dem Kreis der Dinge entkommen; dieser verfluchte Ring des Horizontes, der den Künstler einschließt und ihn vom Ziel der Zerstörung abhält.“

Das knappe Budget hatte zur Folge, dass die Crew 130 Minuten Bildmaterial – zwölf Monologe à zehneinhalb Minuten sowie das Intro – in zwölf Tagen des Winters 2014 aufnehmen musste, an Drehorten in Berlin und Umgebung. Um den Dreh am Set zu beschleunigen, hatte die Crew eine zweite Kamera dabei, so dass sie aus zwei Perspektiven drehen konnte. Krauss entschied sich für die ALEXA XT Plus als A-Kamera, was den Vorteil hatte, dass man für die VFX-Aufnahmen, die in ARRIRAW gedreht wurden, keinen externen Rekorder an Steadicam oder Kran anbringen musste. Die nicht für VFX bestimmten Sequenzen wurden mit der ALEXA XT Plus und der B-Kamera, einer ALEXA Plus, in ProRes 4444 aufgezeichnet. Eine zusätzliche Phantom Flex Kamera kam für zwei Highspeed-Aufnahmen mit 500 fps zum Einsatz.

„Ich habe Cooke S4 Objektive für den Dreh von MANIFESTO gewählt, weil ich die etwas weicheren Hauttöne mag, die sie liefern“, sagt der Kameramann. Sie waren zusammen mit zwei Angenieux Optimo Zooms im Einsatz, dem 15-40 mm (T2.6) und dem 24-290 mm (T2.8), die für längere Brennweiten genutzt wurden sowie für flexible Aufnahmen der Second Unit, wenn A- und B-Kamera an verschiedenen Schauplätzen waren.

Um die Installation nicht zu abstrakt und abgehoben erscheinen zu lassen, bemühte sich Krauss um einen natürlichen Look. Der Grundgedanke war, scheinbar ganz normale Leute – gespielt von Blanchett – diese radikalen, kraftvollen Texte sprechen zu lassen, und sie so für den Betrachter leichter verständlich zu machen. „Wie in fast allen Arbeiten von Julian gibt es genug Abstraktion, entweder durch Entschleunigung in langen Einstellungen und Zeitlupe oder durch ungewöhnliche Perspektiven wie Aufnahmen von hoch oben“, sagt Krauss. Ein Beispiel ist die Szene, die spät nachts in der Zentral-Bibliothek der Humboldt Universität gedreht wurde. Blanchett spielt darin eine Börsenhändlerin, die den Futurismus repräsentiert.

Dank der jahrelangen Zusammenarbeit mit ARRI Rental lief alles reibungslos für Krauss. Alle Kameras, die Bühnentechnik und das Lichtequipment seien perfekt gewesen, sagt er. Der Oberbeleuchter, Christoph Dehmel-Osterloh, setzte vorwiegend auf ARRI Scheinwerfer, wegen ihrer Robustheit und Zuverlässigkeit. Darunter waren auch Tageslicht-Scheinwerfer der M-Serie. „Wir verließen uns insbesondere auf ein paar vielseitige ARRI M18er“, sagt Krauss.

MANIFESTO entstand im Auftrag des Australian Centre for the Moving Image. Das Projekt feierte seine Premiere am 9. Dezember 2015 in Melbourne. Von Februar bis Juli 2016 ist es im Museum Hamburger Bahnhof in Berlin zu sehen. Eine lineare, 90-minütige Version ist gerade in Postproduktion. Der Bayerische Rundfunk, der als Koproduzent beteiligt ist, wird sie 2018 in seinem Programm ausstrahlen. Außerdem wird sie auf mehreren Filmfestivals laufen.

Pauline Bugler