„The Great Wall“ und die ALEXA 65

„The Great Wall“ und die ALEXA 65

Regisseur Zhang Yimou und Kameramann Stuart Dryburgh (ASC, NZCS) im ARRI Interview über den Einsatz der ALEXA 65 bei den Dreharbeiten zu „The Great Wall“.

Trailer von „The Great Wall“

„The Great Wall“ unter der Regie von Zhang Yimou und gedreht von Kameramann Stuart Dryburgh (ASC, NZCS) ist der erste Film, bei dem die ALEXA 65 von ARRI Rental als A-Kamera der Main-Unit eingesetzt wurde.

„The Great Wall“ ist eine Gemeinschaftsproduktion der China Film Group, Le Vision Pictures, Legendary East und Universal Pictures. Die Story handelt von europäischen Söldnern, die zur Zeit der Song-Dynastie eine Spezialtruppe der chinesischen Armee in ihrem Kampf gegen kaltblütige Monster, die sogenannten Taoties, unterstützen. Regisseur Yimou und Kameramann Dryburgh berichten von den Dreharbeiten des Films, bei dem die ALEXA 65 von ARRI Rental erstmals als A-Kamera der Main-Unit verwendet wurde.

Was hat Sie dazu gebracht, die Arbeit mit der ALEXA 65 für diesen Film in Erwägung zu ziehen?

Stuart Dryburgh:
Schon bei meinem ersten Skype-Gespräch mit Zhang brachte ich die ALEXA 65 ins Spiel, weil sie in meinen Augen für diesen Job die optimale Kamera war. Uns kam es auf hochauflösende Bilder an – nicht nur wegen der Menge und Größe der Wide-Shots, sondern wegen der massiven visuellen Effekte.

Zhang Yimou: Bevor wir mit den eigentlichen Dreharbeiten loslegten, hatte Stuart mit der ALEXA 65 Probeaufnahmen gemacht und legte sie mir ans Herz. Als ich dann mehr Infos über die Kamera hatte, entschied ich mich sofort für sie. Ich erfuhr erst später, dass „The Great Wall“ der erste Film werden sollte, der hauptsächlich mit der ALEXA 65 gedreht wird. Wir wollten den Film in verschiedenen Formaten wie IMAX, 4K und 2K herausbringen, alles Formate, für die der große und hochauflösende Sensor der ALEXA 65 ideal ist. In meinen Augen kommt es bei High-End-Spielfilmen stärker auf eine hervorragende Bildqualität als auf klassischen Content an – hierfür ist die ALEXA 65 einfach ideal.

Ich wusste, dass ich mich voll und ganz auf die Hilfe von ARRI verlassen konnte - für mich einer der ausschlaggebenden Punkte, warum ich die ALEXA 65 bedenkenlos mit nach China nehmen konnte.

War das nicht auch ein Risiko, die ALEXA 65 erstmals so prominent zu nutzen?

SD:
Ich habe mir die Entwicklung der ALEXA 65 fast ein ganzes Jahr angeschaut und in Shepperton einige Probeaufnahmen gemacht. Ich bin also nicht blauäugig an die Sache herangegangen. Nachdem ich viel Zeit mit dem Entwicklungsteam verbracht hatte, kam ich zu dem Schluss: die ALEXA 65 ist zwar brandneu, basiert aber auf der ALEXA ... das Kamerasystem an sich ist also gar nicht neu, sondern einfach weiterentwickelt. Von daher hatte ich ein gutes Gefühl, wie auch alle Kollegen aus der Postproduktion.

Ich wusste, dass ich mich voll und ganz auf die Hilfe von ARRI verlassen konnte – für mich einer der ausschlaggebenden Punkte, warum ich die ALEXA 65 bedenkenlos mit nach China nehmen konnte. Das Entwicklungsteam und ARRI Rental wollten natürlich, dass die Kamera bei ihrem ersten Großeinsatz reibungslos funktioniert. Also schickten sie uns zwei Techniker mit – für das Kamera-Setup der Vorproduktion und für die erste Woche der Dreharbeiten – einfach fantastisch. Tatsächlich gab es nur ein paar wenige technische Probleme. Das Restrisiko, mit einer neuen Kamera zu drehen, war durch den tollen Support von ARRI nicht der Rede wert – für mich und auch für die Produzenten.

Welche besonderen Vorteile brachte das ALEXA-65-Format für diese Produktion?

ZY: 65-mm-Objektive haben einen anderen Blickwinkel als 35-mm-Objektive, was mit dem visuellen Storytelling des Films ideal harmonierte. Die chinesische Mauer ist eines der großartigsten Bauwerke der Welt, durch den großen Sensor konnten wir daher die gigantischen Monumentalschlachten perfekt einfangen. Deshalb war die ALEXA 65 für diesen Film die perfekte Kamera. Mit einem kleineren Sensor und einem eingeschränkteren Blickwinkel hätten wir nicht die gleiche durchschlagende Bildwirkung erzielt.

„The Great Wall“-Showreel

Hinter den Kulissen: Erleben Sie die ALEXA 65 und Regisseur Zhang Yimou in Action bei den Dreharbeiten zu „The Great Wall“. An der Kamera: Stuart Dryburgh (ASC, NZCS).

SD: Wir hatten für die chinesische Mauer ein Green-Screen-Set über ca. 300 Meter aufgebaut, in dem sich mehrfach 500 Statisten tummelten. Um die ganze Szene in den Kasten zu bekommen, filmten wir mit der CableCam in 100 Metern Höhe oberhalb der Mauer– trotzdem war jeder einzelne Darsteller genau zu sehen. So konnten wir für die Massenaufnahmen und die ganzen weiteren Arbeiten in der Post Bilder in der bestmöglichen Auflösung einfangen.

Wie würden Sie das „Look-and-Feel“ der ALEXA-65-Bilder beschreiben?


SD: Als wir uns die Testfilme von ARRI anschauten, war ich von den Gesichtsaufnahmen und Close-ups am stärksten beeindruckt. Ich hätte nicht gedacht, dass diese großartige Kamera außer sagenhaften Totalen auch Gesichter so einmalig wiedergibt wie der klassische Film ... die ALEXA 65 liefert wunderschöne Roll-offs und Hauttöne. Ich würde damit sogar einen Beauty-Werbespot drehen ... die Bilder sind traumhaft wie bei allen ALEXAs, nur mit noch feineren Details.

ZY: Die Aufnahmen der ALEXA 65 sind noch klarer, der Dynamikumfang und die Farbwiedergabe sind ausgezeichnet. Obwohl die ALEXA 65 eine Digitalkamera ist, bietet sie die natürliche Weichheit analoger Filme. Die Bilder manch anderer Digitalkameras wirken in der Schärfe und den Details oft zu klinisch. Das ist bei der ALEXA 65 anders: Ihre Bilder sind ansprechend, ohne allzu scharf zu wirken. Außerdem bin ich vom Tonwertumfang, der Farbabstufung und Körnigkeit beeindruckt.

Der große Sensor war für uns von immensem Vorteil, um die gigantischen Monumentalschlachten einfangen zu können. Von daher war die ALEXA 65 für diesen Film die perfekte Kamera.

Sie hatten am Set Prime-65- und Vintage-765-Objektive: Haben Sie die für bestimmte Dinge gezielt eingesetzt?

SD:
Ehrlich gesagt, haben wir die Prime-65- und Vintage-765-Objektive eingesetzt, ohne groß darüber nachzudenken. Es gibt sicher Technik-Freaks, die hier deutliche Unterschiede erkennen. Ich war aber mit beiden sehr zufrieden. Hatten wir beispielsweise für einen bestimmten Shot mit einem Vintage-765-Objektiv an der A-Kamera die richtige Brennweite und mit einem Prime 65 an der B-Kamera, kam mir diese Mischung gerade recht. Die winzigen Unterschiede in der Auflösung oder der Objektivfarbe können ja in der Post ganz einfach korrigiert werden, vor allem bei Frame-Daten in diesem Ausmaß.

Welchen Einfluss wird Ihrer Meinung nach die ALEXA 65 auf die chinesische Filmbranche haben?

ZY:
Als Regisseur habe ich hohe Ansprüche an die Bildqualität und Ästhetik. Visuelles Storytelling wird erst durch die richtige Einbindung der Technik optimal. Ich hoffe, dass die Aufnahmen der ALEXA 65 für „The Great Wall“ die chinesischen Filmemacher auf dieses Thema aufmerksam machen. Die Qualität von Filmen hängt letztlich von der Fähigkeit der Filmemacher ab, wie sie die vorhandenen Tools nutzen.